Der erste Haarschnitt …

… bedeutet hier in Perú sehr viel und wird meistens von einer Madrina/Padron durchführt. Und ich habe heute den ersten Haarschnitt zum Besten gegeben – den ersten Haarschnitt von Oscar und den ersten Haarschnitt, den ich jemals durchgeführt habe! :)

Seine Eltern haben mich einige Male gefragt, ob ich Oscar nicht die Haare schneiden und seine Madrina sein wollte. Im Quechua-Kontext heißt das, dass die Madrina für jeden Schnitt Geld in eine Schale legt. Da ich aber kein Geld an Leute gebe wusste ich nicht, was ich machen sollte. Ich kenne die Familie schon seit ich hier bin und sie haben mich noch nie um Geld oder irgendetwas gebeten, obwohl sie arme Leute sind. Und ich mag die Kinder sehr. So habe ich mir Rat geholt und nach einigen Überlegungen zugesagt. Nach einem Gespräch mit den Eltern konnte ich noch mal klarstellen, dass ich kein Geld, sondern Kleidung und ein Spielzeug für Oscar kaufen werde. Sie haben zugestimmt und so wurde der Termin auf heute gelegt.

Zwei Onkels und eine Tante waren noch da und außerdem 3 meiner Freunde. Wir haben sehr gut und sehr reichlich gegessen. Als der erste (tiefe) Teller mit Reis, Nudeln und Hühnchen kam meinte ich so zu einer Freundin: das schaff ich nie alles. Sie lachte nur und sagte, dass es oft zur Tradition gehört, dass ein zweiter Teller mit Essen serviert wird. Und so geschah es: der zweite (tiefe) Teller war voll mit Schweinefleisch und Kartoffeln. UNMÖGLICH für mich alles zu schaffen! Es war super lecker und zum Glück für uns lässt die Quechua-Kultur es zu, den Rest, den man nicht schafft mit nach Hause zu nehmen ohne das die Köchin das Gesicht verliert. So verließen wir vier jeder mit einer Plastiktüte voller Essen die Feier. :)

Nach dem Mittagessen ging es dann um die Sache. Ich musst mit einer neugekauften Schere an die Haare … Nun ist Oscar ein quirliger kleiner vierjähriger Junge, dem es unwahrscheinlich schwerfällt ruhig zu sitzen. Aber, ich konnte ihn mit einem Lolli “ruhig”stellen und so ging’s daran, die Haare zu schneiden. Man lässt die Haare aber nicht einfach auf den Bode fallen, sondern hält sie fest und legt jede Strähne in einen Teller  in dem vorher buntes Konfetti gelegt wurde – als Glücksbringer.

So schnitt ich also fröhlich mit etwas zitternder Hand die ersten Strähnen und bekam eine mehr oder weniger gelungene Frisur hin (wenn man nicht zu genau hinschaut). Morgen wird die Familie dann wahrscheinlich (hoffentlich) zum Friseur gehen und der muss es dann richten. :) Oscar war mindestens genauso aufgeregt wie ich und fuhr sich immer wieder durch die deutlich kürzeren Haare, lachte und rief immer wieder: Ahora soy varoncito! (jetzt bin ich ein “Mann”).

Nach dem Haarschneiden zog ich ihm seine neuen Klamotten und seine neuen Schuhe an. Dann wurde Kuchen gegessen, den wir mitbrachten. Nach einiger Zeit verabschiedeten wir uns und Oscar bekam noch seinen kleinen Lastwagen von mir geschenkt. Worüber er sich auch sehr gefreut hat!

Ein schöner Tag, an den wir beide uns noch lange erinnern werden! :)

 

 

 

 

Und welche Pizza darf es heute sein?

Gestern Abend hab ich zum zweiten Mal in der Pizzeria einer Freundin ausgeholfen. Ich habe Pizzen ausgefahren, habe Bestellungen aufgenommen, Käse und getrocknete Pilze geschnitten, abgewaschen und Kartons zum Mitnehmen von Pizzen hergestellt. Es war wieder mal einiges los und so konnten wir gegen 23 Uhr nach getaner Arbeit endlich den Laden schließen.

Mir hat’s soviel Spaß gemacht, dass ich vielleicht doch noch meinen Beruf wechseln sollte? :)

Unsere erste Katarakt (grauer Star) OP

Vor ein paar Tagen haben wir mit unserem Augenklinik-Team unsere erste Katarakt OP durchgeführt. Mit dabei war Nathan, ein Augenarzt aus den USA, der mit seiner Familie in Cusco arbeitet. Er kommt einmal die Woche (wenn das Wetter es zulässt) nach Curahuasi und hilft uns bei den Operationen.

Wir haben schon ein paar OP’s vorher gemacht, aber eher kleinere Dinge wie z.B. Pterygium OP’s. Da ich ja so überhaupt keine Ahnung von Operationen und Instrumentieren habe, gibt es für mich viel zu lernen. Die Herausforderung gefällt mir aber sehr und es macht Spaß zu sehen, dass man dann nach einiger Zeit die Instrumente doch richtig anreicht oder sich noch an den ein oder anderen Namen der so dermaßen gleichaussehenden Instrumente erinnert. Sowohl Dr. Ursula als auch Dr. Nathan haben sehr und ich meine sehr viel Geduld mit mir! :)

Absolut klasse ist zu sehen, wenn die Patienten dann jeden Tag zur Nachkontrolle kommen und man mitbekommt, dass sie immer etwas besser sehen können. Da freut man sich doch glatt mit und wird motiviert noch mehr zu lernen.

Anbei ein paar Bilder von unserer ersten Katarakt OP:

Dr. Ursula assistiert hier Dr. Nathan. Meine Kollegin Silvia steht als Springer bereit.

 

Und hier ist unser Ergebnis: Der Patient wollte seine Linse gerne mitnehmen und so habe ich sie ihm eingeschweißt. :)

Regenzeit

Die Regenzeit hat etwas gutes und etwas schlechtes. Gut ist, dass alles so schön grün ist, die Blumen blühen und man meistens genügend Wasser hat. Das Schlechte ist, dass die Wassermassen, die fast jede Nacht herunter brassen vieles kaputtmacht. So haben z.B. letzte Woche 6 Familien im nahe gelegenen Pisonaypata ihre Häuser durch den reisenden Fluss verloren mit all ihrem Hab und Gut. Gott sei Dank ist keine Person zu schaden gekommen. Dann gibt es auch immer wieder heftigste Steinschläge, wie man sie sich in Deutschland nicht vorstellen kann. Letzte Woche haben wir auf der Fahrt zum Kinderclub in Carmen mal ein paar Bilder gemacht:

Die Bilder haben wir alle an unterschiedlichen Ecken gemacht. Und es hätten noch sehr viel mehr werden können. Fast alle 2-300 Meter liegt etwas neben oder auf der Straße. In einer Kreuzung ist eine Straßenseite fast komplett weg und in einer anderen Kurve fließt das Wasser und der Matsch fast Knöchelhoch über die Straße. Viel im Krankenhaus sagen, dass es schon lange keine so schlimme Regenzeit mehr gab wie dieses Jahr. Wir hoffen und beten alle, dass diese für dieses Jahr recht bald ihr Ende ankündigen wird!

Nachtrag: Weihnachtseinsatz 2011

… ich weiß, ich weiß! Der Frühling startet gerade und ich rede über Weihnachten. Mir ist einfach gerade aufgefallen, dass ich über unseren Weihnachtseinsatz 2011 gar keinen Blogeintrag habe. Da es ein wirklich schöner und besonderer Tag war, wollte ich zu mindestens ein paar Bilder mit euch teilen. :)

Am 24.12.2011 sind wir mit drei Gruppen in die Außenbezirke Curahuasi’s gefahren, um die Menschen dort mit einem Eimer Nahrungsmittel und ein bisschen christlichem Lesematerial ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest zu wünschen. Je weiter man hoch in die Berge geht, umso ärmer sind die Leute. Letztes Jahr haben wir ja einen Einsatz ca. 1 1/2 Stunde Fahrtzeit von hier gemacht. Dieses Jahr (bzw. 2011) haben wir uns gedacht, im Grunde muss man nicht weit fahren um Armut zu sehen. Sie liegt direkt vor unserer Haustür. Aus diesem Grund haben wir uns für die Außenbezirke Curahuasi’s entschieden.

Hier einige Eindrücke:

Alle drei Gruppen hatten später viel zu erzählen. Es war rundum eine gute und gesegnete Zeit, aus der wir sowohl verschenken durften, aber auch reich beschenkt worden sind! Überall hatten wir die Möglichkeit einige ermutigende Worte weiterzugeben, zu singen und zu beten.

Spender für Josha gesucht!

Die dringende Bitte einer Familie aus meiner Gemeinde in Deutschland:

Dringend gesucht: Spender für Josha

Josha Elias Haferkamp ist erst zwei Jahre alt – und doch hat er schon mehr Zeit im Krankenhaus verbracht als mancher Erwachsener. Der Junge leidet seit dem vergangenen Jahr an Leukämie.

Josha und Heidi Haferkamp verbrachten in der vergangenen Woche wieder einige Tage auf der Kinderkrebsstation Peiper am Uniklinikum in Gießen, wo der Zweijährige seine Chemotherapie bekommt. Die Schutzkleidung der Mutter soll die Gefahr von ansteckenden Infektionskrankheiten abwenden, die dem geschwächten Kind schaden könnten.

Siegbach-Oberndorf. Ganz normalen Alltag gibt es bei Familie Haferkamp aus Oberndorf, einem Ortsteil in der Gemeinde Siegbach im Lahn-Dill-Kreis, schon seit vielen Monaten nicht mehr. Das jüngste Mitglied der Familie, der zweijährige Josha Elias, ist seit dem vergangenen Jahr an Leukämie erkrankt. Die Diagnose stellten die Ärzte im Oktober 2011 in Siegen – seither wird der kleine Junge in der Kinderklinik des Universitätsklinikums in Gießen behandelt. „Die Chemo-Therapie läuft in mehreren Blöcken“, erklärt Vater Wolfgang Haferkamp: „Ziel ist es, den Körper von den bösen Zellen zu befreien und die Krankheit in Schach zu halten, bis wir einen Knochenmarkspender gefunden haben.“

Als im Januar feststeht, dass Joshas Schwester Lilly kein geeigneter Knochenmark-Spender für ihren kleinen Bruder ist, nimmt etwas seinen Anfang, das inzwischen weite Kreise über Gemeinde- und Kreisgrenzen hinaus zieht.

Silvia Wüstenhöfer und Kerstin Sommer, zwei junge Frauen aus Siegbach und Freundinnen von Heidi Haferkamp, wollen helfen. Sie nehmen Kontakt zur DKMS auf und beginnen mit der Organisation einer Typisierungs-Aktion, die zugleich eine Benefizveranstaltung für Josha sein soll – mit Kaffee und Kuchen, Mittagsbuffet und Kinderprogramm.

„Für mich ist das Nächstenliebe praktisch“, sagt die 31-jährige Silvia Wüstenhöfer, die aus Bad Endbach stammt und selbst Mutter von drei Kindern ist. „Es ist unfassbar, wie viele Menschen helfen – völlig selbstlos, liebevoll, mitdenkend und auf ganz unterschiedliche Art und Weise.“ Und so sind innerhalb von wenigen Tagen die Listen derer, die vor Ort gebraucht werden, geschlossen. Auch aus dem heimischen Landkreis wirken viele Menschen mit. Firmen, Vereine, Organisationen, Arztpraxen und Privatleute sagen ihre Unterstützung zu, Druckereien stellen kostenlos Plakate und Handzettel als Werbematerial für die Typisierung zur Verfügung.

Die Typisierungsaktion für Josha Haferkamp läuft am Sonntag, 12. Februar, von 11 bis 16 Uhr. Grundsätzlich kann sich jeder gesunde Mensch zwischen 17 und 55 Jahren als potenzieller Spender registrieren und typisieren lassen. Darüber hinaus werden dringend Geldspenden benötigt, um die Typisierungskosten finanzieren zu können.

Im Internet berichten Joshas Eltern unter www.beten-fuer-josha.blog.com fortlaufend über die Ereignisse und rufen zum Gebet für ihren Sohn auf.

von Carina Becker

Via Spender für Josha

Für weiter Info’s schaut hier vorbei: Beten für Josha Elias

NACHTRAG: Letzte Woche wurde mir gesagt, dass die Ärzte im Blut vom kleinen Josha Elias keine Krebszellen mehr nachweisen können und er somit keinen Spender mehr benötigt! Gott ist einfach super und er zeigt auch heute noch, dass er ein lebendiger Gott ist, der die Bitten seiner Kinder erhört! Oft sind seine Wege anders, als wir uns sie wünschen würden, aber seine Wege sind immer gut. Lob und Preis sei IHM!

 

Alltagsbeständig?

 

Ich glaube, dies wir mein neuer Leitvers für die nächste Zeit! Allerdings werde ich die Kraft Gottes brauchen das Geschriebene auch in die Tat umzusetzen … tagtäglich, Stunde um Stunde, jederzeit. Aber wie war das noch gleich: Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig!?