Besuch im Krankenhaus

Arequipa hat wirklich viele Krankenhäuser und heute hatte ich die Gelegenheit mit meiner Konversationslehrerin Miriam das Krankenhaus in der Nähe meines Zuhauses zu besuchen. Es ist eines der ärmeren Krankenhäuser von Arequipa und ich musste wirklich erst einmal Schlucken, als ich auf die Kinderstation kam.
Alles war sauber, wenigstens soweit ich das sehen konnte und es gab auch ne Menge Krankenschwestern und Helferinnen, aber die Station an sich ist schon in keiner Weise mit einer Station in Deutschland zu vergleichen. Die Wände waren fast komplett gefliest, die Betten kamen aus dem letzten Jahrhundert, so hatte ich den Eindruck und auch im „Schwesternzimmer“ fehlte jeweilige moderne Technik. Es gab einige Zimmer, in dene standen aber auch zwischen 4-6 kleine Betten und dann gab es auf der anderen Seite noch einen großen Schlafsaal, der nur mit schulterhohen Wänden unterteilt waren. Hier können bis zu 25-30 Kindern schlafen … vielleicht auch noch mehr. Dieser Schlafsaal ist für besonders arme Leute und ein Bett mit drei „Mahlzeiten“ kostet ca. 8 Soles (das sind umgerechnet ca. 2€).
Miriam und ich haben uns also von Zimmer zu Zimmer bzw. von Bett zu Bett „vorgearbeitet“ und haben mit jeder Mama bzw. Papa und den kranken Kindern gesprochen. Ich war total erstaunt, wie offen die Leute doch sind, wie sehr sie sich über den Besuch freuen und wie sehr viel sich über ihre Situation „preisgeben“. Vor allem die Mütter, so hatte ich den Eindruck, waren Dankbar für ein offenes Ohr!
An war wirklich alles vertreten: von einem gebrochenen Arm bzw. Bein bis hin zu einem kleinen Mädel, die Batterieflüssigkeit (vom Auto) getrunken hat, wo ich mich doch gefragt habe, wie sie daran überhaupt kommen konnte. Miriam hat die Gelegenheit am Schopf gepackt und den Müttern/Vätern oft gute Ratschläge gegeben, wie z.B. welches Gemüse gut bei Anämie ist oder wo man Flaschen mit Batterieflüssigkeit am besten aufbewahrt.
Eine Mutter haben wir kennengelernt, deren 2jährige Tochter eine ca. 10cm große Wucherung im Bauchraum hat. Sie muss operiert werden. Diese OP ist aber nicht ganz ohne, denn eine Vene verläuft entweder sehr dicht oder sogar durch die Wucherung hindurch. Das habe ich nicht ganz mitbekommen. Auf jeden Fall hat die junge Mutter sehr Angst, was verständlich ist und Miriam fragte sie, ob sie Gott kennt und seinen Sohn Jesus. Sie hat der Mutter in kurzen, sehr einfachen Sätzen der Evangelium erzählt und dass Gott alles in seiner Hand hält und auch um ihre Not weiß. Die Mutter fing an zu weinen und wir haben für sie Gebetet. Gerne möchten wir sie nochmals besuchen und nach ihr sehen. Ich hoffe sehr, dass dies klappt! Ich habe Miriams Einfachheit im Gespräch mit den Leuten und ihren Mut wirklich sehr bewundert und ich hoffe, noch vieles von ihr zu lernen. Sie war so freimütig und hatte wirkliches Interesse an jedem Einzelnen!
Irgendwann habe ich mich dann immer ganz nett auf Spanisch vorgestellt und meine kleinen Fragen gestellt, z.B. wie das Kind heißt, ob es viel Schmerzen hat, wie lange sie schon im KH sind, etc. Es war nicht sehr viel, aber es war ein Anfang und ich würde wirklich sehr gerne wieder hingehen!
Bilder habe ich bewusst keine gemacht, denn ich wollte die Kinder und ihre Eltern nicht „zur Schau“ stellen und ich hatte das Gefühl ich würde es machen, wenn ich zum ersten Mal da bin und sie gleich fotografieren würde. Vielleicht hätten sie es mir sogar erlaubt, aber ich hätte mich sehr unwohl gefühlt zu fragen und so habe ich es einfach gelassen.

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8 Kommentare zu “Besuch im Krankenhaus

  1. Danke für den „Bericht“, Claudi. Ich glaube es ist wirklich erschütternd ein solches Elend zu sehen und gleichzeitig faszinierend wie offen und Dankbar die Menschen sind. Wenn ich da an uns Deutsche denke…

    Habt ihr auch um Heilung gebetet? Würde mich brennend interessieren, ob man bei solchen Begegnungen damit nicht viel erreichen/erleben könnte!

    • Als Miriam gebetet hat, habe ich leider nicht alles verstanden, aber ich habe Gott um Heilung für die kleine Lady gebeten. Heute im Unterricht habe ich noch mal nachgefragt, ob Leute hier in Perú für Gebet generell offen sind und ob man beim Beten auch die Hände auflegen darf/kann. Ich bin mir nicht sicher, ob sie mich richtig verstanden hat (was das Händeauflegen bzw. über jemanden beten angeht), aber sie sagte, dass man bei Fremden immer besser nachfragt, ob man für sie beten darf (also jetzt). Sie meint viele strenggläubige Katholiken würden das eher ablehnen. Aber fragen könnte man auf jeden Fall.
      Wahrscheinlich habe ich mich nicht richtig ausgedrückt, als ich sie fragte, ob sie um Heilung für Leute betet, denn sie erklärte mir, dass sie nach dem Unterricht zu einem Gebetstreffen gegangen ist und die Frauen dort, für jedes einzelne Kind Gott um Heilung gebeten haben.
      Gebet, so erlebe ich es hier, hat schon einen anderen Stellenwert. Meine andere Lehrerin erzählte z.B. als sie ihr erstes Kind bekommen hat, ist sie mit ihrem Mann ins Krankenhaus gefahren und ihre ganze Familie hat sich zum Gebet versammelt, da man – wenn man nicht gerade in Privatkliniken ist – sich nicht wirklich auf Ärzte, Krankenschwestern und die richtige Hilfe vom Krankenhaus verlassen kann! Oft werden Fehler gemacht, Leute haben keine Lust oder sie operieren einfach gerade beide Hände, da sie denken es wäre ein Gendefekt und nicht eine einfache Komplikation im linken Daumen … is alles schon vorgekommen. Unvorstellbar, aber wahr … leider!

      • Ja, Fragen sollte man immer ob man beten und auch die Hände auflegen darf.
        Was mich wundert ist, dass gerade strenggläubige Katholiken das Gebet ablehnen sollen? Gerade bei Heilung sollten sie viel offener sein, da Wunder im katholischen Glauben viel öfters ein Thema sind. Es z.B. auch so, dass ein Mensch nur heilig gesprochen wird, wenn er/sie ein Heilungswunder vorzuweisen hat.
        Das Gebet einen höheren Stellenwert hat, finde ich cool! Das sollte es eigentlich einfacher machen, Leuten Gebet anzubieten.

        Grüße und Segen,
        Manuel

      • Vielleicht lehnen sie das Gebet ab, da Miriam mit Sicherheit erwähnt, dass sie zu Jesus betet und wahrscheinlich auch fragt, ob sie Jesus kennen. Weiß es aber auch nicht genau, is nur eine Vermutung.
        Die Katholische Kirche hier kann ich gar nicht so gut beschreiben. Ich empfinde sie aber schon als „anders“ als wir sie in Deutschland kennen. Ich möchte sehr gerne mehr über den katholischen Glauben hier in Perú und den Hintergrund der Spanier erfahren, denn ich denke, es ist sehr wichtig sich damit auszukennen, wenn ich mit Leuten über meinen Glauben sprechen will.
        Vielleicht stehen die katholischen Kirchen und die evangelischen Kirchen hier auch noch mehr im „Kampf“ gegeneinander … ich hab keine Ahnung.

  2. Dein Bericht hat mich berührt – danke für die Einblicke in dein Leben und was du erlebst ! Und super, dass du dein spanisch angewendet hast !

    • Dankeschön! Ich freu mich immer, wenn es euch überhaupt interessiert, was ich hier so erlebe. Manches ist nicht so einfach zu beschreiben und wahrscheinlich auch nicht so einfach zu verstehen, wenn man es nicht selbst gesehen hat, aber ich geb mein Bestes.
      Mich hat die Offenheit der Leute sehr bewegt und ich überlege, ob ich nicht vielleicht 1-2x die Woche versuche auf die Station zu kommen und Zeit mit den Kids zu verbringen. Ich bin mir nicht so sicher, ob mein Spanisch dazu ausreichend ist, aber es würde mich wirklich interessieren!

  3. Ich glaube die Kinder sind sehr froh, wenn Du kommst, auch wenn ihr Euch vielleicht nicht supertoll unterhalten könnt. Es ist für Dich und die Kinder bestimmt gut.

    Gottes spürbaren Segen für Deine Arbeit, Isa

    Wir beten auch im Frauenkreis für Dich. Birgits Bruder mit Familie ist ziemlich zeitgleich mit Dir in den Orient in die Mission ausgereist.

  4. Liebe Claudi, ich freu mich so sehr für Dich( glaub das hab ich schon mal geschrieben ) und immer wieder werde ich das tun. Es ist so wichtig diese offenen Augen zu haben, immer mit dem einen Ziel: Menschen mit der Lebendigen Hoffnung in Jesus Christus zu erreichen. Ich wünschte mir auch viel mehr Offenheit hier zu Lande, aber oft habe ich den Eindruck, wenn man offen ist und den Glauben mit Freude und seinem Leben und Mund bekennt, machen einem die eigenen Geschwister in Christus das Leben schwer !! Ich spüre,lese und höre das viel zu oft und das ist echt traurig…. also nimm alles mit, was Du erleben kannst und wirst und werde darin reich gesegnet. Streck Dich nach diesem Segen aus, erbete, suche und seh diesen Segen. Zeig Ihnen freimütig und offen wer Dein Leben regiert und hab den Mut und die Kraft dazu. ich grüße Dich mit Philipper 3 12-14. HDL

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